Wie laut ist es in Wiener Neudorf in jedem Ortsteil?

Lärmkarte Wiener Neudorf

Wiener Neudorf ist einer der meistbelasteten Orte Österreichs, was Abgase und Lärm anbelangt. Hier hat sich in den letzten Jahren die Situation leider deutlich verschlechtert. Die Lärmkarten beweisen, dass viele Ortsteile enorm belastet sind. Als Hauptverursacher sind ganz eindeutig erkennbar: Die Autobahn A2, die B17 und die B11. Die meisten Ortsteile weisen eine Belastung von über 55 dB auf. In Wiener Neudorf reichen die gemessenen Werte über 70 dB. Berechnet wird der Lärm nach einer von Alexander Graham Bell benannten Maßeinheit zur Kennzeichnung von Pegeln – dem Bel. In der Regel wird, wie bei der Messung des Lärms, statt des Bels das Dezibel (dB) angewendet, also der zehnte Teil eines Bels. Da das Dezibel keine lineare Messeinheit ist , bewirkt d.h. eine Veränderung von 10 dB eine Verdoppelung oder eine Halbierung.

Das Problem von Wiener Neudorf ist, dass der Lärm nicht zeitweise auftritt, sondern nahezu ständig über und in unserem Ort liegt und es dadurch zu einer Dauerbelastung kommt.

Bereits ab einer Dauerbelastung von 55 dB werden Geräusche als Belästigung empfunden, die die Gesundheit schädigt und die Leistungsfähigkeit verringert. Geräusche ab 65 dB versetzen den Körper automatisch in Stress und bewirken automatisch Bluthochdruck und können zu Herz-Kreislauferkrankungen bis hin zum Herzinfarkt führen. Weil Lärm auch zu einer Verminderung der Magensekretbildung führt, kann Dauerlärm auch die Ursache für Magengeschwüre sein.

Alleine eine Temporeduktion auf der A2 von 130 auf 80 km/h bewirkt nachgewiesenermaßen eine Reduktion um 5 bis 6 dB. Eine derartige Maßnahme würde für ca. 2.000 Wiener Neudorfer/-innen deutlich spürbar sein und eine deutliche Entlastung bedeuten. Alleine mit dieser Maßnahme könnten auf unserem Plan einige Ortsteile anders eingefärbt sein.

Wir erkennen auf dem Bild auch deutlich, dass beispielsweise Teile des Reisenbauer-Rings durch den Verkehr auf der B17, aber auch auf der Steinfeldstraße sehr belastet sind.

In jedem Fall gilt es für die Gemeindepolitik umgehend tätig zu werden und die Lärmsituation wieder zu einem Hauptthema zu machen. Das ist leider in den letzten Jahren sehr vernachlässigt worden. Die Auswirkungen für uns Wiener Neudorf hören wir täglich.

NS:

Weil ich doch von vielen darauf angesprochen wurde, warum nicht auf dem IZ-Nord statt eines Betriebsgebietes ein Wohngebiet entstehen könnte: Auch hier zeigt die Karte deutlich, dass neben vielen anderen Gründen auch die Lärmsituation ein neues Wohngebiet unmöglich macht.

Ein ganz besonderer Jedermann

2014_Jedermann.indd

Von allen Sommertheaterspielen, die ich in Niederösterreich regelmäßig besuche, ist die Kulturszene Kottingbrunn ein jedes Jahr ein definitiver Höhepunkt. Heuer hätte ich fast einen Fehler gemacht, weil ich mir dachte, Hofmannthals „Jedermann“ habe ich schon so oft gesehen. Vor 9 Jahren durfte ich bei der Freiluftveranstaltung im Kloster Wiener Neudorf bei der Inszenierung von Marcus Strahl an der Seite von Bruno Thost sogar mitspielen, genauso bei einer Aufführung vor über 30 Jahren in der Mödlinger Stadtkirche St. Othmar unter der Leitung von Andreas Steppan. Deshalb wollte ich heuer „auslassen“. Dann habe ich mich doch – Gott sei Dank – überreden lassen.

Wahrscheinlich hat die Kulturszene Kottingbrunn mit Anselm Lipgens einen der interessantesten Regisseure im deutschsprachigen Raum. Was Lipgens alle Jahre aus seiner von Profi- und Laienschauspielern bestehenden Gruppe herausholt, ist mehr als nur bemerkenswert. Und wie Lipgens die Räumlichkeiten der Kulturwerkstatt neben dem Wasserschloss alle Jahre an das Stück anpasst und wie er alle Jahre die Zuschauer anders um die Bühne gruppiert, ist schon alleine sehenswert. Heuer wurde die gesamte Bühne beispielsweise zur Tafel und die Zuschauer sind Teil der Festgesellschaft.

IMG_0110

Ich habe den „Jedermann“ bisher vielleicht 10 Male oder öfter gesehen, aber die Inszenierung von Anselm Lipgens war ein ultimativer Höhepunkt. Bis zum 28. September haben Sie noch Zeit hinzugehen und anzuschauen, ob ich recht habe oder nicht. Näheres finden Sie unter „www.kulturszene.at„.

Dieser Beitrag wurde in der Kategorie persönlich eingetragen und mit getaggt.

Und: Was machen Sie am 25. Jänner?

images

Es gibt Tage, da weiß man schon Monate vorher, was passieren wird! Nehmen wir beispielsweise Sonntag, den 25. Jänner 2015. Es wird irgendwann während des Tages entweder regnen oder nicht! Es wird entweder schneien oder nicht! Die Sonne wird wahrscheinlich um 7:59 Uhr aufgehen. Das macht sie seit 100 Jahren durchschnittlich immer an diesem Tag. Wolfram Pirchner wird sich zum Namenstag gratulieren lassen. In Kairo werden die Ägypter aller Voraussicht nach den 4. Jahrestag des Beginns der Proteste gegen Husni Mubarak begehen.

Und auch mein Tag ist vorgezeichnet. Denn es ist der Tag der nächsten Gemeinderatswahl. Ich werde spätestens um 5.45 Uhr aufstehen. Es wird eine kurze Nacht gewesen sein. Erstens, weil ich mit meiner Gaby bis Mitternacht bei einem Ball gewesen und zweitens, weil ich mit Sicherheit aus Nervosität lange nicht eingeschlafen sein werde. Um 6.30 Uhr werde ich in das mir zugewiesene Wahllokal fahren, dort bis 16.00 Uhr „wahlhandeln“ und vielleicht sogar auf Sie warten. Kommt darauf an, ob Sie in meinem Wahlsprengel wohnen. Dazwischen werde ich mir ganz sicher Vorwürfe machen. Und es werden mir hunderte Fragen durch den Kopf gehen. Wäre es nicht besser gewesen, dieses oder jenes Thema noch deutlicher anzusprechen? Hätte ich nicht doch eine Zeitung mehr schreiben sollen – oder zumindest ein Flugblatt? Wäre es vielleicht besser gewesen, statt der Kugelschreiber doch ein anderes Werbegeschenk … ? Hätte ich nicht doch in den letzten Jahren die Zeit nutzen und ein Musikinstrument lernen sollen? Oder mir zumindest einen Bart wachsen lassen? Offenbar stehen die Neudorfer darauf! Aber andererseits: Ich mit Bart??? Und welches Musikinstrument? Diesbezüglich kann ein Mensch ja kaum unbegabter sein als ich. Na gut – Triangel vielleicht. Aber wann braucht ein Politiker schon ein Triangel?

images-1

16.00 Uhr: Wahlschluss. Dann werde ich in meinem Wahlsprengel die Stimmzetteln auswerten und das Ergebnis feststellen. Dann werde ich zum Gemeindeamt fahren und auf die Ergebnisse der anderen Sprengeln warten. Und dann werde ich mit anderen, sichtlich genervten und nervösen Kandidaten hochrechnen, umrechnen, neu rechnen, nachrechnen, nachfragen, telefonieren.

Irgendwann zwischen 18.00 Uhr und 18.30 Uhr werde ich dann entweder erleichtert durchatmen und einigen Menschen in die Arme fallen – oder ich werde mich niedersetzen, den Kopf schütteln und mir etwas denken, was ich hier lieber nicht niederschreiben möchte. Dann werde ich in jedem Fall ins Parkcafé gehen, wo mein Team schon auf mich warten wird. Dann wird es in jedem Fall Applaus geben. Entweder tosend vor lauter Freude oder verhalten vor lauter Anstand.

Ziemlich genau so wird für mich der 25. Jänner verlaufen! Das weiß ich heute schon, 4 Monate vorher.

Und: Wissen Sie auch schon, was Sie an diesem Sonntag machen?

Die skurrilste Autobahn der Welt

china_haus_autobahn_body03_.2188801

Durch einen Zufall bin ich auf dieses Foto gestossen und habe ein wenig recherchiert. Auch außerhalb von Wiener Neudorf treibt die Bauwut offensichtlich skurrile Blüten. Das für mich beste Beispiel der letzten Zeit ist diese neu gebaute Autobahn in der chinesischen Provinz Zhejiang, die einfach um ein verfallenes, aber noch bewohntes Haus herumgebaut wurde. Etliche Häuser mussten der neuen Trasse der Autobahn weichen. Den beiden Besitzern dieses Hauses war die angebotene Entschädigungssumme allerdings zu gering. Statt zu verhandeln, wurden die an die von den Eigentümern bewohnten Wohnung angrenzenden Zimmer ganz gelassen und der Rest des Gebäudes wurde gemäß Bescheid der Behörde abgerissen. Die Autobahn wurde im Anschluss daran einfach um das Haus herumgebaut.

Angeblich sollen die Bewohner mittlerweile entnervt das Haus verlassen haben. Es soll mittlerweile abgerissen worden und die Autobahn ohne Schikane befahrbar sein.

Auf Wunsch unseres Bürgermeister ist Wiener Neudorf bekanntlich eine Städtepartnerschaft – neben Bärnkopf – mit der chinesischen Industriemetropole Dongyang in derselben oben genannten Provinz Zhejiang eingegangen. Wir, von den anderen Fraktionen, haben nie verstanden: warum. „Man könne sich von den Chinesen einiges abschauen“, hat unser Bürgermeister in seiner Begründungsrede im Gemeinderat gemeint. Da hat er recht, aber hoffentlich schaut er sich das Richtige für Wiener Neudorf ab.

Ich persönlich bleibe dabei: Für mich gehört die Bevölkerung vor dem überregionalen Durchzugsverkehr geschützt. Möglicherweise ist das in unserer Partnerschaftsprovinz Zhejiang anders, aber in Wiener Neudorf halte ich einen Tunnel dafür für besser geeignet, als Straßen entlang von Wohngebieten oder durch Wohngebiete zu führen – oder gar um Häuser herum.

Weniger Parteibuch täte der Politik gut: Beispiel Wiener Stadtschulrat

FPOE_Strache_Kraus_Wiener-Stadtschulrat

Der Vizepräsident des Wiener Stadtschulrates soll neu besetzt werden. Geht mich das als Wiener Neudorfer Lokalpolitiker eigentlich etwas an? Auf den ersten Blick: nein! Aber eigentlich: doch! Es geht mich sehr wohl etwas an, weil es so typisch ist. Weil es mich jetzt gerade beschäftigt. Weil es mich jetzt gerade ärgert.

Der 21-jährige FPÖ-Burschenschafter Maximilian Kraus (im Bild rechts neben FPÖ-Chef Strache) soll Vizepräsident des Wiener Stadtschulrates werden. Mich stört weniger, dass Herr Kraus erst 21 Jahre alt ist. Warum soll ein junger Mensch nichts weiterbringen? Warum soll jemand für eine derartige Position zu jung sein? Er will ja nicht Präsident des Seniorenbundes werden. Warum nicht den Stadtschulrat einmal aus der Sicht eines 21jährigen führen? Das einzige, das beispielsweise unserem derzeitigen Außenminister als Kritik vorgeworfen wird, ist sein junges Alter. Mir persönlich ist wichtig, dass der Außenminister Österreich im Ausland gut vertritt. Mir persönlich ist wichtig, dass Österreich endlich wieder eine gehörte und gewichtige Stimme in der Staatengemeinschaft bekommt. Und da habe ich derzeit beim jungen Außenminister Kurz ein besseres Gefühl als bei so mancher bisherigen älteren Person auf diesem Posten.

Aber sollte nicht jemand federführend in einem Bildungsgremium sitzen, der nicht polarisiert, der zusammenführt und nicht diskriminiert? Muss es denn wirklich ein Burschenschafter mit ausländerfeindlichen Ansagen sein? Ich verstehe da die FPÖ nicht, der natürlich bewusst gewesen sein muss, dass es da zu politischen Kontroversen kommen wird.

Und da sind wir beim Thema: Muss denn alles in der Österreichischen Bildung parteipolitisch besetzt sein? Muss eine Direktorin, muss ein Direktor einer Schule denn unbedingt das eine oder das andere Parteibuch haben? Muss denn wirklich jede Schule einer bestimmten Partei zugeordnet werden? Müssen denn Stadtschulräte, Landes- oder Bezirksschulräte unbedingt einmal der einen, einmal der anderen Partei angehören?

Ich denke, dass die Bildung in Österreich entpolitisiert gehört. Ich denke, dass die Schulräte in Österreich endlich entpolitisiert gehören. Ich denke, dass jemand ausschließlich deshalb Direktor/in einer Schule werden sollte, weil sie/er dafür bestgeeignet ist und nicht, weil sie/er auf irgendeiner Parteiliste steht. Dasselbe sollte für Schulräte gelten. Und wer soll entscheiden, wer bestgeeignet ist, höre ich manche fragen. Das wird man sich gut überlegen müssen. Aber warum können nicht Lehrer, Eltern- und Schülervertreter einen Direktor – meinetwegen auf Zeit – wählen? Wenn der- oder diejenige ein Parteibuch hat, dann ist es gut, wenn nicht, dann ist es auch gut. Es soll niemand diskriminiert werden, aber natürlich auch diejenigen nicht, die ein Parteibuch haben. Aber ein Parteibuch sollte keine Voraussetzung für eine Führungsposition im Bildungssystem sein.

Und da bin ich jetzt wieder in Wiener Neudorf. Auch ein Vertreter des Volkes im Gemeinderat muss nicht unbedingt ein Parteibuch haben, um gute Arbeit zu leisten. Ich bin sehr froh, dass es in Wiener Neudorf gelungen ist, die ÖVP komplett zu öffnen und zu einer Bürgerplattform umzuformen. Da geht es um Themen, da geht es um Projekte, da geht es um die Zukunft von Wiener Neudorf. Und da arbeiten Personen mit einem Parteibuch gut mit Persönlichkeiten ohne Parteibuch in einer Fraktion zusammen. Natürlich vereint uns auch eine gewisse ideologische Grundhaltung – aber im Grunde geht es uns nur um eines: um Wiener Neudorf! Und dafür brauche ich als Spitzenkandidat die Besten und die Richtigen für die jeweiligen Aufgaben in einer Gemeinde. Ein Parteibuch zu haben oder nicht zu haben ist da zweitrangig.

 

Was wird da gebaut?

Arik-Brauer_KZ-Aussenlager_Gedenkstaette_Wiener-Neudorf_

Da ich von etlichen Wiener Neudorfer/innen, auch beim gestrigen Erdäpfelkirtag, darauf angesprochen wurde, möchte ich dieses Thema aufgreifen. An der Ecke Palmersstraße/Eumigweg sind Bauarbeiten im Gange und viele wissen nicht wieso.

Einstimmig hat der Gemeindevorstand (bestehend aus SPÖ, Liste ÖVP und UFO) eine Gedenkstätte für das KZ-Außenlager Wiener Neudorf beschlossen. Dieses Mahnmal wird derzeit nach den Plänen von Prof. Arik Brauer errichtet.

Im August 1943 wurde in unmittelbarer Nähe der Flugmotorenwerke Ostmark (FO) in Guntramsdorf ein Außenlager des KZ-Mauthausen eröffnet. Es war eines von ca. 50 Außenlager dieses berüchtigten Konzentrationslagers. Der von Hermann Göring eingesetzte damalige Geschäftsführer der FO, Georg Meindl, bat in einem Brief an Heinrich Himmler Mitte Juli 1943 um die Bereitstellung von mindestens 2.000 „Häftlingen“ aus Mauthausen. Bereits 2 Wochen später trafen die ersten 200 Zwangsarbeiter, vorwiegend Polen, ein. Weitere größere nationale Häftlingsgruppen aus Frankreich, Jugoslawien, Italien und der Sowjetunion folgten. Im Mai 1944 wurde dieses Lager bei einem Fliegerangriff zerstört und die Häftlinge wurden in ein neues Lager im Norden von Wiener Neudorf verlegt. Angesichts der herannahenden sowjetischen Truppen wurde am 2. April 1945 das Lager in Wiener Neudorf mit den knapp 2.500 Zwangsarbeitern geräumt. Vermutlich 38 marschunfähige Personen wurden zurückgelassen und sofort ermordet, die anderen mussten einen 13 Tage dauernden Marsch über 180 km nach Mauthausen antreten. Zwischen 150 und 250 Menschen starben bei diesem Todesmarsch. Etwa 2.200 Gefangene überlebten die Strapazen dieses Marsches, aber nicht alle davon das Ende des 2. Weltkrieges knapp 3 Wochen später am 8. Mai 1945.

Das KZ-Außenlager in Wiener Neudorf geriet in Vergessenheit und war jahrzehntelang kein Thema. Als Ende der 90er Jahre die Verbauung des sogenannten „IZ-Nord“ durch die „SCS-Erlebniswelt“ (eine Art hypermoderner Wurstelprater) anstand, brachen einige ältere Wiener Neudorfer ihr Schweigen und haben mich – von den mir damals völlig unbekannten Vorgängen – unterrichtet. Glücklicherweise ist es dann gelungen, das bereits ausverhandelte Konzept dieser Erlebniswelt auf diesem Platz zu verhindern. Aber das ist Ihnen ja sicherlich bekannt.

Diese schreckliche Zeit ist nun 70 Jahre her. Für die Gemeinde Wiener Neudorf der richtige Zeitpunkt mit einem Denkmal an diese Zeit zu gemahnen.