
Laut einer neuesten Umfrage des Linzer Market-Institutes im Auftrag der Tageszeitung „DER STANDARD“ wünschen sich in Österreich 16 % einen „Führer mit starker Hand“ und für 11 % ist die Diktatur „ohne Wenn und Aber“ oder zumindest „unter bestimmten Umständen“ die bessere Staatsform als die Demokratie. Gehts noch? Natürlich ist diese Meinung eher bei deklarierten FPÖ-Wählern vorhanden, aber diese Strömungen gibt es, in geringerem Ausmaß, auch bei Sympathisanten aller anderen Parteien. Laut Market-Institut. 16 % – das ist jeder Sechste. Für Wiener Neudorf bedeutet das bei knapp 8.000 Wählern: 1.300 erwachsene wahlberechtigte Personen. Ich halte das für erschreckend und möchte für meine Gemeinde inständig hoffen, dass diese Umfragewerte für uns keine Gültigkeit haben.
In meiner Kindheit und Jugend, also in den 60er und 70er Jahren, habe ich öfter bei Gesprächen den Spruch vernommen: „Da gehört ein kleiner Hitler her!“ Heute wünschen sich offenbar viel zu viele einen „kleinen Trump“ in Österreich. Einen, der sich nichts pfeift. Einen, der durchgreift. Einen, der sich nicht durch irgendwelche Gesetze oder Richtersprüche aufhalten lässt. Einen, der gegen die angeblichen Eliten vorgeht, die uns angeblich alle in den Händen haben – und uns durchimpfen. Und vor allem einen, der endlich die Ausländer rauswirft. Viele sehen die nationale Selbstbestimmung bedroht, die Bevölkerung entmündigt und Traditionen gefährdet. Viele wollen sich endlich wieder „das eigene Land zurückholen„, „es wieder groß machen„, „Festungen bauen“.
Wohin das alles führt wissen wir mittlerweile. In den USA ist es in nur einem einzigen Jahr gelungen, eine funktionierende Demokratie in eine Autokratie umzudirigieren, die alle Hände voll zu tun hat, nicht in einer Diktatur zu enden. IN DEN USA!!!??? Überall dort, wo diese herbeigesehnten „kleinen Trumps“ an der Macht sind, ist die Wirtschaft den Bach hinuntergegangen, ist die soziale Lage vieler prekärer und prekärer geworden, wurden Menschenrechte sukzessive beeinträchtigt, Wahlvorgänge undemokratischer und gehen immer mehr Menschen verzweifelt auf die Straße, um diese Fehler in den Wahlurnen zu korrigieren. Das ist bekannt. Das wissen wir. Das sehen wir täglich in den Nachrichten und lesen es täglich in den Zeitungen.
Und bei uns in Österreich? Wir leben in einem funktionierenden Rechts-, Gesundheits- und Sozialstaat. Mag sein, dass für viele einiges nicht gut genug funktioniert. Zugegeben, auch mir fallen da ein paar Sachen ein. Aber Hand aufs Herz: In welchem anderen Land wollen wir lieben leben? Auch wenn ich lange darüber nachdenke, viele Länder fallen mir da nicht ein.
In Österreich wünschen sich 16 % einen Führer mit einer starken Hand und für 11 % ist die Diktatur „ohne Wenn und Aber“ oder „unter bestimmten Umständen „die bessere Staatsform als die Demokratie. Übrigens sind das Spitzenwerte in ganz Europa. Das Gefährliche darin ist, dass diese Werte im Steigen sind.
Ist es die mangelnde Bildung? Lesen oder hören zu wenige Nachrichten? Kapieren da einige nicht, was sich gerade in der Welt abspielt? Ich will einfach nicht glauben, dass diese Führer-Sehnsucht irgendwie bei manchen noch immer in den Genen liegt.





