Die Entwicklung zum „Homo inhumanus“

Der Mensch hat eine erstaunliche Entwicklung hingelegt. Vom Homo Rudolfensis über den Homo Ergaster und den Homo erectus zum Homo Sapiens, also zum weisen Menschen. Diese Stufe dürfte die Menschheit dabei sein zu verlassen und sich immer mehr zum „Homo inhumanus“, also zum Unmenschen, zu entwickeln.

Wenn jemand geglaubt hat, dass die schrecklichen und verbrecherischen Vorgänge des 20. Jahrhunderts eine Einmaligkeit waren, dann hat sich dieser Jemand gewaltig getäuscht. Der Mensch hat sich in weiten Teilen der Erde leider zum Unmenschen weiter entwickelt. Gut, es gab in den letzten Jahrhunderten immer verbrecherische Menschen, Völker und Epochen. Aber diese Fülle an destruktiven, hasserfüllten, egozentrischen und unfähigen politischen Führern in so vielen – auch sehr wichtigen – Ländern ist neu. Übrigens auch die Sehnsucht vieler Wähler nach derartigen politischen Führungspersönlichkeiten, von Amerika über Russland, teilweise Europa, bis nach Afrika und tief in den nahen und weiten Osten.

Wohin das führt erfahren wir täglich durch die Medien. Die Menschheit zündelt an allen Ecken und Enden unseres Planeten, wird immer unfähiger konstruktiv miteinander zu kommunizieren und Meinungsverschiedenheiten menschlich zu lösen. Die Menschheit wählt sich vermehrt (manchmal gezwungen, aber auch sehr oft freiwillig) verhaltensgestörte Anführer, die das friedliche Zusammenleben ständig untergraben, ruiniert das für unseren Weiterbestand so wichtige Klima und verliert sich zusehends immer mehr in Klassen-, Rassen-, Geschlechter-, Generationen- oder Religionsauslegungskonflikten – oft auch gleichzeitig in mehrere.

Statt dass sich die eigentlich vernünftige, aber sich immer schweigender verhaltende Mehrheit dieser globalen Entwicklung mit aller Kraft entgegenstemmt, überlassen wir unser Schicksal denjenigen, die schlicht verlernt haben, was den Homo Sapiens ausmacht – und die als erstes den Schritt zum Homo Inhumanus vollzogen haben. Für die brüllt dann auch noch ein Großteil und verteidigt sie auf den Straßen. „Nur die dümmsten Kälber wählen ihre Schlächter selber“ hat ein gewisser Bertold Brecht einmal geschrieben – und viel zu viele von uns wechseln in das Lager der dümmsten Kälber – und wähnen sich dabei als vernünftig und weise.

Ich bin dem Schicksal, dem Glück, dem Zufall – was weiß ich – unendlich dankbar, dass ich hier in Österreich geboren wurde und hier im Umfeld von Wiener Neudorf gemeinsam mit meiner Familie und meinen Freunden leben darf. Das, worüber wir hier bei uns nörgeln und unzufrieden sind, ist weitestgehend eigentlich so gering und im Vergleich bedeutungslos. Eigentlich müssten wir täglich unendlich dankbar sein, hier leben zu dürfen und eigentlich dürften wir unser Glück gar nicht fassen können, wenn wir täglich mitbekommen, wie Hunderte Millionen von anderen Menschen von Kriegen, Katastrophen, Hunger- und Durstnöten, Verfolgungen, Diskriminierungen, Auslöschungsversuchen, Kriminalität etc. betroffen sind. Ja, es geht auch bei uns Mitmenschen nicht gut und sie benötigen – aus verschiedensten Gründen – unsere Hilfe und Unterstützung. Ein Homo Sapiens würde wissen, was zu tun tun ist. Ein Homo Inhumanus weiß das auch. Es ist nur leider nicht das gleiche Wissen.

Und ja, es gibt auch bei uns Zustände, die nicht in Ordnung sind. Aber die sollten wir ganz einfach überlegt, unaufgeregt und möglichst gemeinsam besprechen und ändern. Ein wenig den Egoismus beiseite legen, die andere Meinung akzeptieren und versuchen zu verstehen – und dann hoffentlich richtig handeln. Es geht darum, gemeinsam zu schaufeln, aber nicht um Gräben noch tiefer und breiter zu graben, sondern um sie zuzuschütten.

Es geht darum, um diejenigen von uns, die die Linie des Homo Inhumanus gewählt haben, so rasch wie möglich vereinsamen und wieder aussterben zu lassen. Aber ich befürchte, das wird zumindest einige Generationen dauern – falls die Mehrheit der Menschheit das überhaupt möchte. Ich bin mir diesbezüglich mittlerweile nicht mehr sicher. Um die Generation meiner Enkelkinder mache ich mir mittlerweile große Sorgen – mittlerweile auch bei uns.

3 Gedanken zu „Die Entwicklung zum „Homo inhumanus“

  1. Martha Meller

    Sehr geehrter Herr Janschka,
    ihre Beiträge lese ich alle. Die meisten gefallen mir bzw. bin ich Ihrer Meinung, manche taugen mir nicht. Aber der heutige Artikel ist – zumindest für mich – einer, der mich berührt und sollte eigentlich einer größeren Leserschaft bekannt gemacht werden.
    Bitte machen Sie so weiter!

    Mit freundlichen Grüßen
    Martha Meller

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