Unser Pflegebudget wird erhöht und in Zukunft ausschließlich für Wiener Neudorfer/-innen ausgegeben!

Nachdem es in den letzten Tagen vermehrt Falsch- und Halbinformationen zum Thema „Kurzzeitpflegestation Wiener Neudorf“ gab, möchte ich Sie aus erster Hand und möglichst umfassend informieren.

2009 wurde im Volkshilfe-Haus im Klostergarten eine Kurzzeitpflegestation mit 12 Betten eingerichtet. Wie mir die damals Beteiligten sagen, wurde die Gemeinde sowohl von dem Land NÖ (als dafür verantwortliche zuweisende Stelle) als auch von der Volkshilfe/Service Mensch GmbH. (Betreiberin) gewarnt, dass diese Größenordnung sowohl organisatorisch als auch wirtschaftlich alles andere als optimal ist. Derartige Häuser können erst ab einer Bettenanzahl von 35/36 organisatorisch und wirtschaftlich wirklich gut geführt werden.

Die damalige SPÖ-Alleinregierung hat sich dessen ungeachtet dafür entschieden. Die Volkshilfe wusste, dass die Führung einer solchen Station hoch defizitär sein wird und hat von der Gemeinde eine 100 %ige Ausfallshaftung verlangt. Entgegen allen Ratschlägen und Bedenken, auch der Opposition, ist die SPÖ namens der Gemeinde diese Ausfallshaftung eingegangen.

Das Land NÖ hat ihre Landespflegeheime mittlerweile großzügig ausgebaut und nachdem die Zuweisung zu Kurzzeitpflegestationen über die jeweiligen Bezirkshauptmannschaften erfolgt, wurden verständlicherweise die Landespflegeheime bevorzugt. Nur wenn kein anderer Platz verfügbar war, wurde Wiener Neudorf zugewiesen – auch immer vermehrter von anderen Bezirken.

Erwartungsgemäß lag der jährliche Verlust bei durchschnittlich € 350.000,- jährlich, den die Gemeinde Wiener Neudorf zu tragen hatte und hat. Das Problem ist, dass immer mehr Nicht-Wiener-Neudorfer unsere Station besuchen. Derzeit sind es nur noch knapp 10 %. 90 % der Gäste/Patienten kommen von auswärts. Bezahlen müssen wir für alle. Der individuell zu zahlende Selbstkostenbeitrag ist nur ein Teil der anfallenden Kosten. Der Rest: Zahlschein an die Gemeinde Wiener Neudorf.

In den letzten 5 Jahren hat die Gemeinde bislang ca. € 1,5 Millionen gezahlt. Davon € 1,2 Millionen für Nicht-Wiener-Neudorfer/-innen.

Sowohl für das Land NÖ als auch die Volkshilfe ist es sonnenklar, dass dieses System nicht so fortgeführt werden kann. Einvernehmlich haben wir deshalb die Beendigung der Kurzzeitpflegestation Wiener Neudorf zum 31. Dezember 2022 vereinbart. Das Land NÖ wird die wenigen Patienten aus Wiener Neudorf in einem umliegenden Landespflegeheim unterbringen und die Patienten aus den anderen Bezirken werden vor Ort einen Platz finden.

Da derzeit überall Pflegepersonal sehr knapp ist, werden die Mitarbeiter/-innen von der Volkshilfe ab kommendem Jahr anders eingesetzt – möglicherweise bleiben aber einige sogar in Wiener Neudorf. Denn wir haben mit der Volkshilfe den Weiterbestand der Tagesstätte vereinbart. Auch dort werden überwiegend Auswärtige betreut und derzeit ebenfalls nur 10 % (oder 1 Person) aus Wiener Neudorf. Wir glauben aber, dass der Bedarf höher ist und dass wir mit einem besseren Angebot und einer besseren Werbung und einem absoluten Neubeginn eine bessere Auslastung erreichen können. Zumindest wollen wir (Gemeinde, Volkshilfe) das gemeinsam versuchen.

Ich bitte um Verständnis, dass wir als kleine Gemeinde nicht die Kurzzeitpflege von überwiegend Auswärtigen zahlen können. Es gibt keine Gemeinde, die das tut oder auch nur überlegen würde. Wir haben es 13 Jahre lang getan. Das ist nicht unsere Aufgabe und unser Auftrag. Jede Gemeinde hat die Verpflichtung und die Aufgabe für ihre Bürger/-innen da zu sein. Wir können nicht als kleine Gemeinde Landes- oder gar Bundesaufgaben übernehmen.

Wir schätzen, dass uns die neue Tagespflegestätte unterm Strich ca. € 100.000,- pro Jahr kosten wird. Die Differenz zu den heutigen Aufwendungen, also ca. € 250.000,- werden wir selbstverständlich nicht einsparen, sondern für Pflegeleistungen für Wiener Neudorfer/-innen umschichten und zusätzlich noch erhöhen.

Wir haben seit einigen Jahren eine Pflegeberatung im Gemeindeamt. Diese Stelle müssen und werden wir ausbauen. Immer mehr brauchen Unterstützung, sei es bei notwendigen Kontakten, beim Ausfüllen von Pflegeformularen, bei der Suche nach geeigneten Langzeitpflegeplätzen, bei der Pflege in den eigenen vier Wänden, bei der 24-Stunden-Pflege zuhause, bei Wundbehandlungen u.s.w. Auch ein Einkaufsservice wird immer wieder nachgefragt – und vieles mehr. Wir werden durch die Umschichtungen in Hinkunft auch bei Pflegedienstleistungen – natürlich gestaffelt nach Einkommensverhältnissen – auch finanziell unterstützen können. Das Grobkonzept steht und wird in den nächsten Wochen verfeinert. Danach wird es eine umfassende Information an die Bevölkerung geben.

Für alle Wiener Neudorfer Betroffenen ist eines absolut wichtig sich zu merken: Wenn es irgendeine Frage zum Thema „Pflege“ gibt, dann wenden Sie sich bitte an das Gemeindeamt Wiener Neudorf und vereinbaren Sie einen Termin (jeden Mittwoch zwischen 16.00 und 18.00 Uhr) mit unserer Pflegeberaterin, Frau Tauschek. Sie werden dort bestmöglich beraten und umfassend über alles informiert. Selbstverständlich gratis und völlig unverbindlich.

Zum Abschluss ersuche ich Sie nicht alles zu glauben, was von irgendwelchen Seiten geschrieben und veröffentlicht wird. Manchen politisch Tätigen geht es leider offenbar nur darum, Aufmerksamkeit zu erregen und leider auch, Unsicherheiten zu verbreiten. Aber das gehört für manche offenbar zum politischen Geschäft dazu.

Mir und meinem Team in der Gemeindeverwaltung und im Gemeinderat geht es darum, die Wiener Neudorfer/-innen bestmöglich bei diesem Thema zu unterstützen, wenn es zu einem Schicksalsschlag in der Familie kommt, der meistens noch dazu plötzlich über Nacht eintritt.

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