
Zur Erinnerung: Mittwoch Mittag stand fest, dass erstmals in Niederösterreich die sogenannte hochansteckende „Südafrika-Variante“ des Corona-Virus verstärkt festgestellt wurde – und zwar ausschließlich in Wiener Neudorf. Die zuständigen Gremien des Landes entschieden sich dafür, der Ortsbevölkerung so rasch wie möglich Gratis-PCR-Tests (Labortests) zu ermöglichen. Damit sollte Klarheit über die Verbreitung des Virus – vor allem der Virusvariante – geschaffen werden.
Kostenlos angeboten bei den herkömmlichen Massentests wird ausschließlich der Schnelltest (Antigen-Test). Der PCR-Test, der viel genauer ist und das Virus viel schneller nach der Ansteckung aufspüren kann, wird bei den normalen Massentests nicht angeboten, kostet privat durchschnittlich € 100,-, auch weil die Untersuchung in einem Salzburger Labor viel aufwendiger ist. Der Labortest schlägt schneller an, untersucht genauer und kann sequenzieren und damit Virus-Varianten feststellen.
Inklusive allem drum und dran hätte diese Aktion in Wiener Neudorf also gut € 1 Million kosten können. Dessen ungeachtet gab das Land grünes Licht und beauftragte die Gemeinde, Notruf NÖ und das Rote Kreuz mit der Organisation und der Durchführung. Wir hatten exakt 2 Stunden Zeit, alles zu koordinieren, weil bereits am Mittwoch Nachmittag – bis inklusive Sonntag – mit der Testung begonnen werden sollte. Danke an alle Beteiligten, dass das so rasch und toll umgesetzt werden konnte.
Ziel war es so viele Wiener Neudorfer/-innen wie möglich zu erreichen. Wie schaffen wir die Information? Alle gängigen Medien (Fernsehen, Rundfunk, Print- und Soziale Medien) haben sich bereit erklärt, umgehend zu informieren und Beiträge zu erstellen. Viele davon waren noch am Mittwoch vor Ort und haben sicher in den letzten Tagen immer wieder bei mir gemeldet, um zu fragen wie sie weiter unterstützen können.
Meine naive Annahme war, dass sich etwa 6.000 Personen testen lassen werden. 6.000 sind knapp 2/3 der Bevölkerung, das Ergebnis also aussagekräftig. Wie kam ich zu dieser Zahl? Wir haben knapp 9.500 Einwohner. 1.000 von uns, nahm ich an, schauen nicht fern, hören nicht Radio, lesen keine Tageszeitung und verfolgen keine Sozialen Medien, reden nicht mit Nachbarn, Freunden und Verwandten – und erfahren somit nichts von der Aktion. Weitere 1.000 sind Kinder, vor allem Kleinkinder, die sich zwar testen lassen hätten können, aber von denen ich annahm, dass die Eltern dies eventuell verweigern würden. Bleiben noch 7.500. 350 Wiener Neudorfer/-innen waren und sind bereits am Corona-Virus erkrankt, haben Antikörper entwickelt und sollen demnach gar nicht zum Test. Bleiben mehr als 7.000. Dann wird es, so meine Annahme, einige Hundert geben, die nie außer Haus gehen (können), sich nicht anstecken können und demnach der Testung fernbleiben. Und einigen Hundert geht das Thema sowieso irgendwo am A…. vorbei.
Also bleiben so um die 6.000 Personen, von denen ich annahm, dass ihnen, wenn schon nicht die eigene Gesundheit, so die der Familienangehörigen, der Kinder, der Eltern, der Nachbarn, der Bekannten (die man eventuell trifft) und der Arbeitskollegen nicht egal sein würde – und sich zur Sicherheit testen lassen werden. Bei aller Corona-Müdigkeit, die uns alle befallen hat.
Da habe ich mich ordentlich verrechnet. Von den letztlich getesteten 2.966 Personen, waren ca. 2.700 Wiener Neudorfer/-innen. Also weniger als 1/3 der Bevölkerung. Auch andere, die viel in unserem Ort zu tun haben, haben gebeten, sich testen lassen zu dürfen. Knapp 20 wurden positiv getestet, die keine Symptome spürten und von denen etliche davon kurz vorher durch einen Schnelltest „negativ“ waren. Wie oben beschrieben, ist der Labortest sicherer, umfangreicher, genauer und erkennt den Virusbefall schneller – und ist damit aussagekräftiger.
Wie die zuständigen Behörden jetzt mit dem Ergebnis der geringen Beteiligung umgehen, kann ich noch nicht sagen.
Rechnen wir weiter. Wenn bei 1/3 der Bevölkerung 20 Fälle herausgearbeitet wurden, so ist davon auszugehen, dass etwa weitere 40 Wiener Neudorfer/-innen das Virus haben, nichts merken, herumspazieren und es weitergeben – hoffentlich nur das „normale“ Virus und nicht eine Variante. Da ich weiter annehme, dass sich diejenigen eher testen lassen, die vorsichtig mit der Situation umgehen als andere, wird die Dunkelziffer mit Sicherheit höher sein.
Ich habe mich verrechnet. Ich dachte, dass im Zweifelsfall und im Eventualfall die Wiener Neudorfer zusammenstehen, aufeinander Rücksicht nehmen, gegenseitige Sicherheit wollen und geben – und sich ein paar Minuten für die Gesundheit der Allgemeinheit Zeit nehmen (die maximale Wartezeit betrug 10 Minuten). In guten Dorfgemeinschaften funktioniert das so. Aber vielleicht führen wir die Bezeichnung „Dorf“ wirklich nur mehr im Namen, ohne uns mehrheitlich damit zu identifizieren.
Ich bedanke mich herzlich bei allen, die diese Sicherheits-Testung ermöglicht und bei dem Teil der Bevölkerung, die daran teilgenommen haben.
Aber, wenn bei einem Fußballspiel bei einer 11-köpfigen Mannschaft 4 eine Weltklasseleistung bringen, die anderen 7 aber auslassen, zu müde sind, herumstehen und ihnen das Ergebnis wurscht ist, dann wird eher das andere Team gewinnen. Das Match lautet: Wiener Neudorf gegen Virus.



