
Irgendwie ärgere ich mich über die ständigen Studien, die letztlich immer dasselbe ergeben, nämlich dass Bildung vererbbar sein dürfte, überhaupt nichts mit beispielsweise Migration u.s.w. zu tun hat und man nicht genau weiß, was man als Staat gegen diese himmelschreiende Ungerechtigkeit unternehmen kann.
Ich behaupte: Recht wenig! Da werden auch 6 Klassen Volksschule oder Gesamtschule oder …….. etwas bewirken.
Was ständig außer Acht gelassen wird: Die erste und wichtigste Bildungseinrichtung ist nicht der Kindergarten oder die Volksschule – das ist und bleibt das Elternhaus. Bildungsnahe Eltern wissen logischerweise besser als andere Eltern, wie sie ihr Kleinstkind bildungsmäßig frühestmöglich fordern und fördern. Diese diesbezüglich wichtigsten ersten Monate und Jahre wird kein staatliches Bildungssystem komplett ausgleichen können, egal ob es mit dem 6. Lebensjahr oder ein wenig früher ansetzt. Was nicht heißt, dass diese Lücke nicht geschlossen werden könnte, aber Kinder von bildungsnahen Eltern haben diesbezüglich natürlich einen Vorsprung. Der kann natürlich auch „verspielt“ bzw. auch von diesbezüglich benachteiligten Kindern aufgeholt werden – wie wir wissen.
Aber das betrifft ja nicht nur die Bildung. Es ist auch keine Überraschung, dass Musiker überwiegend aus musikalischen Familien stammen, eben weil musikalische Eltern besser wissen, wie sie ihr Kind diesbezüglich früh fördern können. Dessen ungeachtet gibt es natürlich auch Musiker ohne musikalische Eltern oder völlig an Musik uninteressierte Kinder von Musikern. Viele Fußballer sind Kinder von Fußballern, weil ein fußballspielender Vater natürlich seinem Kind diesen Sport früher und besser beibringen kann. Marcel Hirscher wäre wohl auch nicht der Ausnahmesportler geworden, wenn sein Vater nicht Schilehrer in Annaberg, sondern Vertragsbediensteter in Grammatneusiedl gewesen wäre. Wäre Jakob Pöltl nicht 2,13 Meter groß, sondern wie ich knappe 1,80, dann wäre er wohl nicht ein mit 20 Millionen Dollar Jahresgage bezahlter Basketballer geworden. Aber er hatte das Glück große Eltern zu haben und hat daraus einen Vorteil gemacht, wofür ich nie eine Chance durch meine normalwüchsigen Erzeuger gehabt habe.
Es wird also immer und überall eine Chancen-Ungleichheit geben, so auch im Bildungsbereich. Statt ständig Untersuchungen (wie auch jetzt wieder) in Auftrag zu geben, sollten wir das zur Kenntnis nehmen und die Bildungspolitik auch darauf ausrichten. Von vorne herein für eine Chancen-Gleichheit sorgen zu wollen, geht meiner Erfahrung nach nicht, weil es Unterschiede in genetischen Voraussetzungen gibt und wir glücklicherweise nicht alle im selben Elternhaus aufgewachsen sind.
Und letztlich hat jedes Kind immer anderen Kindern etwas voraus. Jedes Kind hat immer eine bessere Begabung und Voraussetzung als andere. Jedes Kind kann immer irgendetwas besser als andere. Es wird also immer und überall einen Unterschied – und auch immer eine Chancenungleichheit – geben. Wichtig ist, ein Kind dahingehend zu fördern, dass es diese Chancenungleichheit für ein glückliches, engagiertes, gesundes und für die Gesellschaft wertvolles Leben nützt.