Rechtspopulisten verbreiten halt Hoffnung!

Wohin geht die politische Reise in den nächsten Monaten und Jahren. In einer Woche dürfte in Sachsen-Anhalt mit größer Wahrscheinlich der Kandidat der AfD Ministerpräsident werden, zumindest werden können. In anderen östlichen Bundesländern Deutschlands gibt es ähnliche Szenarien. In Österreich liegt die FPÖ bundesweit ungefährdet laut Meinungsumfragen an der Spitze. In Italien, Frankreich und den Niederlanden sowieso. Schweden, Finnland, Slowakei, Großbritannien … die Liste wird immer größer.

Das ist erstaunlich, denn wir wissen, vor allem in Europa, spätestens seit 100 Jahren, dass Rechtspopulisten Demokratien ausschalten, den Rechtsstaat abschaffen, Bildung und Meinungsvielfalt bekämpfen und die Menschen, auch die, die sie gewählt haben, mit allen möglichen Beschlüssen in ihren Freiheiten beschränken. Überall dort, wo Rechtspopulisten an der Macht sind, versuchen dieselben, die sie gewählt haben, diese wieder loszuwerden. In Ungarn ist dies unlängst gelungen. In den USA wird es hoffentlich heuer mit den Midterms und in zwei Jahren bei der nächsten Präsidentschaftswahl gelingen. In vielen anderen Ländern wurden das Wahlprozedere so verändert, dass wirklich freie Wahlen immer schwieriger bis unmöglich werden.

Wenn man das alles weiß und man auch weiß, was kommen wird – tut man es trotzdem? Man weiß im Vorhinein, dass das eigene Leben mit einer eventuellen Machtübernahme von Rechtspopulisten schwerer, unfreier, undemokratischer und ärmer wird – und wählt diese trotzdem!? Und mit Überzeugung. Eigentlich verrückt – oder?

Ich denke, das hat viel mit Hoffnung zu tun. Menschen handeln mehrheitlich immer mehr egoistischer und oberflächlicher. Bei einer Wahl geht es auch um das Erfüllen einer egoistischen Hoffnung. Und Rechtspopulisten verbreiten halt Hoffnung – allerdings nur solange sie in der Opposition sind.

Bei den Gesprächen, die ich führe, gibt es eigenartige Hoffnungen, die ich wahrnehme. Wählt man Rechtspopulisten, dann werden spürbare Ängste genommen. Dann, so meine Erfahrungen, glauben einige, dass damit der Klimawandel von heute auf morgen weg ist. Für etliche ist das sowieso nur eine Erzählung der „Fake-news-Redaktionen“ der angeblichen Qualitätsmedien. Wählt man Rechtspopulisten, dann braucht es viele Veränderungen gar nicht, die man sowieso nicht möchte. Dann dürfen wir bei unserem gewohnten Leben bleiben. Bei unserem Dieselauto. Bei der Gasheizung. Beim Rindfleisch. bei Tempo 130 auf der Autobahn. Dann braucht es keine Einschränkungen. Weder bei Kreuzfahrten, noch bei Flugreisen, noch beim Essen, noch beim Verhalten. Dass die vielen Hitzetoten des heurigen Jahres Spätfolgen der Covidimpfung sind, ist für viel zu viele sowieso die Wahrheit. Dass der heurige Sommer ein Sommer, wie er früher einmal war, war, auch. Heiß war es früher auch. Flüsse sind früher auch ausgetrocknet. Und das mit den geschmolzenen Gletschern wird schon wieder. Na eh – ganz sicher! Die Berge in Nepal werden sich mit Sicherheit auch wieder aufrichten.

Und Rechtspopulisten haben schon immer erkannt, dass es ein gemeinsames Feindbild braucht. Zur Zeit sind es halt überall die Ausländer. Das ist insofern blöd, weil wir Menschen in erster Linie fast überall Ausländer sind, außer in dem kleinen Land, in das wir zufällig hineingeboren wurden. Und wenn wir allesamt Festungen um unsere Grenzen bauen – auch so ein rechtspopulistisches Gedankengut – dann sind wir endlich wieder im Mittelalter, wo angeblich sowieso alles besser und einfacher war. Zumindest gab es eine damals keine LBTQ-Bewegung, keine bunten Zebrastreifen und die Frauen akzeptierten ihre (Unter)Stellung im Geschlechtervergleich ohne zu Murren.

Ein altes Sprichwort aus der Schweiz lautet: Nur die dümmsten Kälber wählen ihren Schlächter selber! Kälber sind eh nicht so dumm, Menschen offenbar schon.

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