
Eigentlich hätte der Termin schon vor längerer Zeit stattfinden sollen, aber durch die Corona-Pandemie wurden diese immer wieder verschoben. Zudem habe ich zugesagt, dass wir Gespräche wegen einer Temporeduktion auf der A2 erst nach der Errichtung der Lärmschutzwand wieder aufnehmen. Nun hatte ich einen sehr vielversprechenden Termin im Büro von Verkehrs- und Klimaministerin Leonore Gewessler.
Es war ein großer Unterschied zu den vergangenen Terminen im Büro ihres Vorgängers, Ex-FPÖ-Minister Hofer. Damals war die gesundheitliche Beeinträchtigung von Tausenden Menschen eher nebensächlich und das Verlangen einiger, laut, schnell und umweltschädlich mit dem Auto zu fahren, deutlich schwerwiegender. Ich habe ein deutliches Umdenken feststellen können.
Warum braucht es Tempo 80?
Die Messungen des Jahres 2019 ergaben, dass 442 Gebäude (Ein-, Zwei- und Mehrfamilienhäuser) teilweise deutlich über den Lärmschutzgrenzwerten liegen. Auch wenn die nunmehr errichtete 13-Meter-hohe-Lärmschutzwand an der A2 (inklusive der noch zu errichtenden Seitenwände Eumigweg und Hauptstraße) für alle eine hörbare Verbesserung darstellt, verbleiben für 398 Gebäude weiterhin Grenzwertüberschreitungen. Für diese braucht es zusätzliche Maßnahmen, wie z.B. eine Temporeduktion.
Wir haben auch untersuchen lassen, warum es im Bereich Wiener Neudorf zu nahezu täglichen Stauerscheinungen kommt. Die Begründung liegt im zu hohen Tempo im Zusammenhang mit der extrem großen Anzahl (bis zu 200.000 täglich) an Fahrzeugen. Bei einer Temporeduktion von deutlich unter 100 würde der Verkehr nicht nur leiser und umweltfreundlicher, sondern auch schneller und flüssiger ablaufen. Die Autofahrer würden bei einer Temporeduktion – vor allem zu den Hauptverkehrszeiten – schneller ans Ziel kommen.
Bei einer Temporeduktion würde auch die Verkehrssicherheit erhöht. Es würde zu weit weniger Unfällen und zu weniger Einsätzen unserer Feuerwehr kommen. Auch das wurde durch die Untersuchungen eindeutig herausgearbeitet.
Eine Untersuchung der TU Graz vom Mai des heurigen Jahres ergab eine für die Gesundheit von Menschen im Einflussbereich der Autobahn viel zu hohen Stickstoffmonoxid und -dioxidkonzentration. Und da geht es nicht nur um Wiener Neudorf, sondern auch um etliche andere Gemeinden, weil sich die Schadstoffe bis zu 5 Kilometer ausbreiten. Es geht also um etwa 40.000 Betroffene. Um die diesbezüglichen Grenzwerte einzuhalten, ist eine Reduktion auf zumindest Tempo 100 (besser: Tempo 80) absolut notwendig. Die Konzentrationen steigen vor allem bei Stausituationen, die ebenfalls (siehe oben) bei einer Temporeduktion signifikant abnehmen.
Des weiteren gibt es einen im Jahr 2018 verabschiedeten „Umgebungslärm-Aktionsplan“. Darin werden Maßnahmen an der Autobahn für die Ballungsgebiete Wien, Graz, Linz, Salzburg und Innsbruck geregelt. Für das Ballungsgebiet „Wien“ sind die Menschen der Orte Wien, Perchtoldsdorf, Brunn, Wiener Neudorf, Mödling und Maria Enzersdorf explizit angeführt. Für die Orte Wien, Perchtoldsdorf und Brunn gibt es schon längst Tempo 80. Für die anderen drei Gemeinden noch nicht. Warum, das gilt es zu beantworten.
Das Verkehrs- und Klimaministerium wird nun unsere Unterlagen prüfen und bewerten. Die Gespräche sollen im September weitergeführt werden.




