Der mühsame Kampf um Tempo 80

Offenbar müssen wir wieder auf die Straße, sprich: A2

Die Raser unter uns wird es freuen, dass sich die Verhandlungen bezüglich Tempo 80 auf der A2 im Streckenabschnitt Wiener Neudorf nach wie vor hinziehen. Für die lärm- und schadstoffgeplagten Hunderten Familien im Einflussbereich der Autobahn heißt es weiter warten. Für mich ist es einerseits bedauerlich und andererseits verwunderlich, dass sich diesbezüglich nichts durch den Ministerwechsel von Ing. Hofer (FPÖ) auf Gewessler (Grüne) geändert hat. Eines vielleicht doch: Die Überlegungen für Tempo 160 sind vom Tisch.

Wie wir aus dem Ministerbüro erfahren, liegt es angeblich weniger am Willen der Ministerin, sondern an gewissen Beamten, dass diese Causa noch nicht erledigt ist. Das klingt ein wenig für mich nach Ausrede, genauso wie die Behauptung, dass es diesbezüglich Probleme mit dem Koalitionspartner (sprich: ÖVP) gäbe. Die Ministerin, so ihr Büro, strebe eine österreichweite Lösung an – und da gäbe es noch keine Einigung. Meine Frage nach Personennamen aus den Reihen der ÖVP, die sich angeblich querlegen (denn darum würde ich mich kümmern) bleibt seit Monaten unbeantwortet.

Irgendwie erinnert mich das Ganze an das Thema „Lärmschutzwand“. Auch da gab es mit der ASFINAG (allerdings unter anderer Führung als heute) unendliche Diskussionen, die erst zu einem positiven Ergebnis geführt haben, als wir unsere Drohung, Autobahndemonstrationen zu organisieren, wahrgemacht haben. Wenn nun das Verkehrsministerium das unbedingt provozieren möchte, dann gerne – wir haben darin mittlerweile schon Erfahrung. Wir wissen, wie wir den Antrag formulieren müssen, damit die Demonstration genehmigt werden muss und wir wissen, wie so etwas abläuft. Es gibt auch die Bereitschaft aus den Nachbargemeinden Mödling, Maria Enzersdorf, Biedermannsdorf und Laxenburg daran teilzunehmen. Ich persönlich halte das zwar für entbehrlich, aber wenn es sein muss und man uns dazu zwingt, dann werden wir auch diesen Weg wieder gehen. Interessant wird es sein, wie sich die „grüne“ Ministerin dann verhält, denn es waren vor allem die „grünen“ Fraktionen der Nachbargemeinden, die uns tatkräftig unterstützt haben und das sicherlich hoffentlich auch wieder werden.

Aufgrund der Errichtung der Lärmschutzwand auf der Ostseite der A2 Höhe Biedermannsdorf/Laxenburg gibt es derzeit Geschwindigkeitsbeschränkungen und die Situation ist derzeit dadurch wirklich erträglich. Aber die Baustelle ist in wenigen Monaten abgeschlossen und dann würde wieder Tempo 130 gelten – bei mittlerweile bis zu 200.000 Fahrzeugen täglich. Es ist mittlerweile der einzig verbliebene Autobahnstreckenabschnitt (ca. 5 Kilometer) in Österreich mit einer so hohen Frequenz bei Tempo 130. Alle anderen Abschnitte wurden mittlerweile positiv gelöst, nur diese paar Kilometer im Bezirk Mödling noch nicht.

Und wenn irgendjemand glauben sollte, dass wir irgendwann schon Ruhe geben werden, bevor wir diese erkämpft haben, dann irrt er/sie sich aber ganz gewaltig.

8 Gedanken zu „Der mühsame Kampf um Tempo 80

  1. Gerald Neuwirth

    Ja sehr richtig.
    Es heißt zwar, durchs Reden kommen die Leut zusammen aber manchmal nützt es nichts.
    Wenn nötig, müssen auch Aktionen erfolgen.

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  2. Wolfgang Krob

    Es ist vollkommen unverständlich, dass es die 80er Beschränkung nicht schon längst gibt. Dass sich hier eine „grüne“ Ministerin quer legt, umso unverständlicher.
    Und durch die Lärmschutzwand ist es zwar für die nahe wohnenden besser geworde, dafür haben die weiter entfernten mehr Lärm. Der Schall verschwindet ja nicht einfach.

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    1. Ein_Moedlinger

      Das Mehr an Lärm können bzw. müssen wir leider bestätigen.

      An manchen Tagen unfassbar laut und „nah“, man hört teils einzelne Fahrzeuge deutlich aus der Lärmwolke heraus. Wir vermuten (!) insbesondere den neuen Bereich zwischen Knoten Mödling an Fa. Müller vorbei bis zur Kläranlagenbrücke als Ursache.

      Aber was, wo und wie auch immer – die Situation hat sich seit „Lärmschutz neu“ erheblich verschlechtert.

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  3. Roman

    Es ist beim dem Aufkommen nicht einzusehen, warum man für 5 km kein Tempo 80 verordnen kann. Bei Graz fährt man 40km lang durch Tempo 80 IG-L und bei 200.000 Autos in Wr.-Neudorf ist das kein Thema. Eine österreichweite Lösung ist schön, bedeutet aber nur ein ewiges Hinauszögern. Vielleich sollten man das Thema Autobahndemo auffassen, und die Nachfahrenden durch kollektives Langsamfahren einbremsen. Dieses jahrelange hinauszögern mit Gutachten und Verantwortung hin- und herschieben muss ein Ende haben.

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  4. Ein_Moedlinger

    Die Lärmschutzwand „neu“ hat vielerorts – so auch bei uns in größerer Entfernung in der Nachbar(!)gemeinde – ohne Übertreibung für teils erhebliche (!) Verschlechterung gesorgt, leider.

    Dieser Umstand war zwar zu befürchten, dennoch haben wir zumindest auf keine Veränderung gehofft, jedenfalls keine Verbesserung erwartet – und schon gar nicht mit einer dermaßen massiven Verschlechterung gerechnet!

    Mit Sicherheit halten dies Manche für unmöglich, weil irgendwelche Experten es viel besser wissen wollen – wir laden jederzeit zu einem persönlichen Augenschein („Ohrenschein“).

    Leider haben die momentan verordneten 80 km/h wiederum hinsichtlich Lärm KEINERLEI Verbesserung gebracht – also auch davon ist in größerer Entfernung nichts zu erwarten. Aus unserer Sicht also gerne weiterhin 100-130 km/h – für uns kein Unterschied.

    Wiener Neudorf interessiert ja auch nicht, dass nunmehr Mödling mehr Lärm hat … Wiener Neudorf hat quasi die Autobahn umgeleitet … Wir waren seinerzeit solidarisch mit den Wiener Neudorfern, die negativen Auswirkungen auf Mödling haben Wiener Neudorf dann nicht mehr interessiert … na dann … !

    Die Lärmschutzwand „neu“ war und ist für diese örtlichen Gegebenheiten und angesichts dieser Bevölkerungsdichte der falsche Ansatz – eine Einhausung a la Kaisermühlen, Amras etc. wäre für die gesamte Region die einzig richtige, wirkliche effektive und dauerhafte Verbesserung gewesen. Tempo 80 wäre damit sowieso verbunden gewesen. Mit Sicherheit kein einfaches Vorhaben – dafür aber eine Lösung.

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  5. Stefan Kohoutek

    Ich denke, dass der jetzige Widerstand gegen Tempobeschränkungen am heftigsten von den Wirtschaftsverbänden (Wirtschaftskammer, Industriellenvereinigung, Fachverbände des Transportgewerbes) geleistet wird. Die sehen jeder Temporeduktion auf Autobahnen und Bundesstraßen mit viel Skepsis entgegen. Natürlich nehmen die hinter den Kulissen gegenüber der Politik Stellung, üben Druck aus … Selbst mit aufsehenerregenden Aktionen wird vielleicht deswegen nur wenig zu erreichen sein – money talks.

    Die Lärmschutzwände haben sich natürlich positiv ausgewirkt, es gibt weniger Lärmeinwirkung durch Verkehr als früher. Allerdings halte ich auch die Behauptung des „Mödlingers“ für möglich, dass die Schallwellen jetzt einen anderen Weg nehmen. Das hieße: Gegenden, die früher wegen der größeren Distanz weniger durch Lärm geplagt waren, nehmen nun die Verkehrsgeräusche stärker wahr.

    Die Probleme des Verkehrslärms scheinen wirklich nicht leicht und zur Zufriedenheit aller zu lösen zu sein …

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