
Es ist wohl meistens die eigene Erfahrung, die Handlungen beeinflussen. Als ich vor etwas mehr als vier Jahren durch die Geburt meiner ersten Enkeltochter wieder vermehrt mit einem Kinderwagen durch Wiener Neudorf ging, begleitet von meiner Frau (Oma Gaby), da bemerkte ich erst wie schmal unsere Gehwege sind – und dass es kaum Gassen gibt, wo wir nebeneinander bequem gehen können. Und welchen breiten Raum wir im Gegensatz dazu dem Autoverkehr geben.
Das war für mich der Startschuss zu neuen Überlegungen in der Straßenplanung. Straßenplanung heißt nicht primär die Wünsche der Autofahrer erfüllen, aber auch. Es gehören aber gleichzeitig die Bedürfnisse der Fußgänger, der Radfahrer, des öffentlichen Verkehrs und der Anrainer mit diskutiert. Und das machen wir seit einigen Jahren bei jeder Straßenneugestaltung.
Immer wieder werde ich gefragt, wo man denn auf den neuen überbreiten Gehwegen, auf denen auch Radfahren erlaubt ist, nun gehen und wo radfahren kann. Die Antwort ist: Überall. Es gibt auf den sogenannten „kombinierten Geh- und Radwegen“ keinen zugeordneten Platz für Fußgänger und keinen für Radfahrer. Egal, ob jetzt Markierungen oder Streifen oder sonst was vorhanden sind. Die Kunst ist, aufeinander Rücksicht zu nehmen. Natürlich kommt wie immer dem schnelleren Verkehrsteilnehmer ein wenig mehr Rücksichtnahme zu. Vom Gefühl her wird man zur Straße hin eher radfahren und zu den Gebäuden hin her gehen.
Ich persönlich fühle mich auf den breiten Gehwegen wohler als früher und gehe auf diesen auch lieber als früher, auch wenn die Kinderwagen-Zeit für mich derzeit nicht mehr vorhanden ist. Aber wer weiß, was meinen Töchtern (bzw. meinen Schwiegersöhnen) in den nächsten Jahren noch einfällt.








