Natürlich haben wir alle die Botschaft verstanden: Das Corona-Virus lebt von seiner Verbreitung. Je intensiver wir diese Verbreitung verhindern, umso schneller und umso erfolgreicher können wir diesen Spuk beenden. Würden sich alle Menschen – und zwar wirklich alle – für zwei, drei Wochen in Einzelisolation begeben, dann wäre alles demnächst vorbei. Das ist es, was uns Politiker und Virologen seit Monaten zu erklären versuchen. Aber sie wissen auch, dass das nicht klappt.
Viele Menschen können nicht in die Isolation. Stichworte: Pflegebedürftig, systemrelevant, krank, hungrig .. und so weiter. Das Virus nützt das schamlos aus.
Ein Mensch sehnt sich nach Nähe, nach Umarmung, nach Begegnung. Das Virus auch. Es braucht uns dazu und nur zu warten, bis wir schwach werden – und das Virus weiß: Das werden wir.
Der Mensch ist nicht dazu geboren, sich freiwillig zu isolieren. Der Mensch lernt nicht durch „Distance-Lerning“. Der Mensch kommuniziert nicht freiwillig durch „Video-Konferenzen“. Der Mensch sitzt nicht freiwillig vor dem PC und schaut sich über DAZN alleine Fußballspiele an. Der Mensch liebt einzukaufen, aber nicht nur online. Der Mensch macht nicht freiwillig das, was er freiwillig tun sollte. Der Mensch tickt anders als er derzeit sollte.
In seinem tiefsten Inneren ist der Mensch ein Herdentier. Die Herde muss ja nicht unbedingt ständig 100 Menschen zählen, aber mehr als 1 schon – und das muss ja nicht unbedingt monatelang nur der eigene Mann oder die eigene Frau sein.
Dem freien Menschen in einer freien Welt wurde gelehrt zu hinterfragen und nicht alles für bare Münze zu nehmen. Und für viele ist auch das Corona-Virus keine bare Münze – und danach handeln sie auch. In der Welt der freien Meinungsäußerung und der Selbstverantwortung ist das okay, in der virologischen Welt eine Katastrophe.
Ab 7. Dezember erlaubt die hohe Politik, dass die Geschäfte wieder aufgesperrt werden, rechtzeitig vor einem Marienfeiertag, der längst ein Einkaufsfeiertag geworden ist. Die Bundesregierung ermöglicht dies, nicht ohne darauf hinzuweisen, dass man tunlichst eher nicht einkaufen sollte. Es wäre wegen der Verbreitung dieses Virus! So ticken manche Entscheidungsträger eben.
Natürlich sagt uns Konsumenten der Hausverstand, dass wir die Einkaufszentren derzeit meiden sollten. Was sich allerdings am Montag und Dienstag abspielen wird, das wissen wir heute schon. So ticken Menschen eben.
Eigentlich sollten uns die letzten Monate gelehrt haben, was für uns und die anderen die wirklich notwendigen, brauchbarsten und schönsten Geschenke sind: Zeit für einander, eine Umarmung, ein Gespräch, Beisammensein. Aber das ist in unserer Konsumwelt nichts wert. Da zählen nur haufenweise Päckchen unterm Weihnachtsbaum. Ob das die anderen wirklich wollen und brauchen können, ist uns doch egal. Wir wollen kaufen und schenken. So ticken Menschen eben.
Und jetzt kommt zu allerletzt noch der Bürgermeister und muss und will so viele wie möglich für die bevorstehenden Corona-Massentests begeistern. Keine Angst, ich mache das nicht heute, sondern Anfang nächster Woche – über diesen Blog und mit einem persönlichen Schreiben an alle Haushalte.
Viele von uns werden sich testen lassen, viele nicht. Viele werden es vielleicht noch gar nicht wissen.
Ich würde mich freuen, wenn sich so viele Wiener Neudorfer/-innen wie möglich an dieser Aktion beteiligen. Tun Sie es für sich, aber tun Sie es auch für uns. Und wenn ich „uns“ schreibe, meine ich: Die Gemeindeverwaltung. Wir haben uns in den letzten Tagen den Allerwertesten aufgerissen, arbeiten seit letztem Samstag praktisch Tag und Nacht, um die Organisation hinzubekommen und die benötigten 180 Helferleins aufzustellen (knapp die Hälfte haben wir schon). Es war und ist eine tolle Teamleistung, für die ich mich bei allen Beteiligten herzlich bedanke.
Jetzt wäre es noch schön, wenn Sie am kommenden Wochenende bei den Massentests kontrollieren kommen könnten – falls Sie an der Testung nicht ohnedies teilgenommen hätten, ob uns diese Organisation wirklich so gut gelungen ist. „Uns“ wäre Ihr Urteil wirklich sehr wichtig. So ticken wir eben!