Abschied von der Prenninger-Villa

Die alte Villa in der Laxenburger Straße 42 ist ein bekanntes Gebäude eines der bekanntesten Wiener Neudorfer.

Carl Prenninger (1829 – 1902) war ein allseits geschätzter Eisenbahnfachmann. Bereits mit 42 Jahren war er Baudirektor der Südbahngesellschaft und bald danach Direktor für die gesamtösterreichische Bahnerhaltung und Bahnaufsicht. Unter seiner Leitung wurden beispielsweise die Lokalbahn Mödling – Hinterbrühl, die Drautal- und die Arlbergbahn verwirklicht. Er ist Ehrenbürger u.a. von Wiener Neudorf und der Hinterbrühl und vor über 20 Jahren durfte ich dem Gemeinderat den Vorschlag unterbreiten, eine Straße nach ihm zu benennen. Neben einer Villa am Semmering ließ er sich auch in Wiener Neudorf ein herrschaftliches Haus errichten, die sogenannte Prenninger-Villa und spendete 1884 eine in unmittelbarer Nähe (an der heutigen Linkegasse-Brücke) stehende Kapelle. Seine Grabstätte mit seinem Bildnis ist ein Schmuckstück des alten Teiles unseres Friedhofes.

Nach dem Tod von Carl Prenninger wurde die Villa von der Familie weitergegeben, durchlebte zwei Weltkriege, kam in die Jahre, wurde aber von Jahrzehnt zu Jahrzehnt immer baufälliger, auch weil den Eigentümern die finanzielle Grundlage für die ständig notwendige Renovierung fehlte. Aufgrund des Ablebens des letzten Eigentümers Ende des letzten Jahres kam es abermals zu einem Besitzerwechsel. In den letzten Monaten wurde eine Komplettrestaurierung evaluiert und durch Architekten und Fachfirmen untersucht. Der neue Besitzer war auch bereit, durch den geplanten Einsatz einer hohen Summe das Haus zu erhalten. Spätestens die Regenfälle im heurigen Frühjahr haben jedoch gezeigt, dass die jahrzehntelange Undichtheit des Daches schwere, nahezu unreparierbare Schäden an fast allen Räumen, vor allem an den Deckenkonstruktionen, hinterlassen hat.

Eine Sanierung ist aufgrund des Alters, der Größe und letztlich der nunmehr festgestellten sehr schlechten Bausubstanz aus wirtschaftlichen Gründen nicht darstellbar. Deshalb muss ein Abriss dieses Hauses – schweren Herzens – vorgenommen werden. Dieser wird im Laufe des August/September 2023 erfolgen. Das nahezu märchenhafte Grundstück mit dem einzigartigen Baumbestand und dem Lebensraum zahlreicher Tiere wird allerdings erhalten bleiben und weiterhin gepflegt werden.

In diesem Sinne müssen wir von einem der sicherlich schönsten und bekanntesten Gebäuden unseres Ortes Abschied nehmen.

16 Gedanken zu „Abschied von der Prenninger-Villa

  1. Karin

    Leider ist es immer so, es hat alles ein Ablaufdatum ? aber schön, dass das Grundstück erhalten bleibt ???

    Antworten
    1. Harald Zeumer

      Das der Baumbestand erhalten bleibt glaube ich auch nicht! Sollte ein Museum für Industrie Geschichte in Wiener Neudorf werden

      Antworten
      1. Herbert Janschka Artikelautor

        Der Baumbestand bleibt erhalten. Der Eigentümer wird auf dieser Liegenschaft möglicherweise irgendwann eine neue Villa bauen, ein Museum – befürchte ich – sicherlich nicht.

        Antworten
        1. Silviaritschl

          Warum kein Museum? Warum keine schutzzone? Der baumerhalt interessiert als fraglich, wenn Baumaschinen auffahren

          Antworten
        2. Silvia ritschl

          Warum eigentlich kein Museum? Soweit ich weiss, gibt es weder ein Heimatmuseum noch eine schutzzone. Der Marienhof wurde zugunsten eines billa neubaus abgerissen.schade, aber es scheint so, dass sie als Bürgermeister nicht am Erhalt von historischen interessiert sind. Das der baumbestand erhalten wird halte ich für ein Gerücht. Wie sollten sonst Baumaschinen arbeiten. Ach ja alte Bäume werden gefällt und dafür neue Winzling gepflanzt. Frage mich was der Naturschutz davon hält.

          Antworten
      2. Silvia ritschl

        Wäre wünschenswert. Lt Denkmalschutz St Pölten regiert der Bürgermeister wie ein bezirkskaiser. Er ist auch nicht an einer schutzzone interessiert, wobei ihm die Landesregierung sogar behilflich wäre. Also…….?

        Antworten
    1. Silvia ritschl

      Genau so ist es.der Bürgermeister als oberste baubehörde könnte es verhindern. Wer ist eigentlich der neue Eigentümer? Eine baugenossenschaft oder eine Einzelperson?

      Antworten
      1. Sunny

        Einzelperson, er wohnt neben der Villa.
        Sie räumen gerade und haben das Dach abgetragen, aber wenn man bei den Fenstern rein sieht, sieht es nichts schlimm aus. Feucht vielleicht. Aber die Arbeiter gehen im ganzen Haus herum und waren auch am Dach oben. Wenn es so gefährlich und alles einstürzt hat man keine Angst um die Arbeiter. Man sieht am Tag von der Straße bis in den Garten schön durch, durch die Fenster ohne etwas eingestürztes zu sehen.

        Antworten
  2. Gertrude Pleininger

    Wie bei den Menschen gibt es auch für Gebäude leider ein Ablaufdatum, wenn die Restaurierung sich leider nicht mehr lohnt und finanziell alles übersteigt und nur mehr Sorgen macht, sollte man das Beste daraus machen, wäre vielleicht ein guter Ansatzpunkt ein Haus abzureißen daß in der Schloßmühlgasse steht, das ehemalige Köfinger-Haus, daß schon seit etlichen Jahren in sich zusammenfällt und eigentlich ein Schandfleck ist und sowas von traurig wie es verkommt, aber vielleicht ist das das nächste Mahnmal für : es ist mir Wurst!

    Antworten
    1. Herbert Janschka Artikelautor

      Das Haus in der Schloßmühlgasse ist im Privatbesitz. Es ist nach Begutachtung auch nicht einsturzgefährdet. Und damit sind der Gemeinde als Baubehörde leider die Hände gebunden. Dass es ein Schandfleck ist, ist leider eine Tatsache. Aber das alleine ist kein Grund für einen Abbruchbescheid.

      Antworten
      1. Silvia ritschl

        Soweit ich weiss, sind sie als Bürgermeister die oberste baubehörde. Warum werter hr Bürgermeister wehren sie sich gegen eine schutzzone? Warum kann sich die 2reichste Gemeinde niederösterreichs sich keine Sanierung einer jugendstilvilla prenninger villa leisten?

        Antworten
        1. Karin Siska

          Ja, vollkommen richtig. Die Sanierung könnte sich die reiche Gemeinde wirklich leisten. Hätte schon vor 20 Jahren gemacht werden sollen.

          Antworten
  3. Gerhard

    Schade um dieses Bauwerk. War aber offensichtlich, eine Sanierung ist nicht rentabel. Ist ein Neubau geplant und ist der neue Eigentümer eine Privatperson oder eine Firma ?

    Antworten
    1. Herbert Janschka Artikelautor

      Der Eigentümer ist eine Privatperson. Irgendwann, denke ich, wird auf diesem Grundstück wahrscheinlich eine neue Villa stehen. Derzeit ist bei der Gemeinde nichts eingereicht.

      Antworten

Kommentar verfassen