
Dieser Beitrag ist leider lang, aber aufgrund des eigenartigen öffentlichen Auftritts unserer Vizebürgermeisterin muss ich ausführlich werden.
Einem Bürgermeister steht für die Ausübung seiner Tätigkeit ein persönliches Spesen- und Repräsentationskonto zur Verfügung. In Wiener Neudorf sind das seit vielen Jahren: € 15.000,- pro Jahr. Ich habe es bislang vermieden, dieses erhöhen oder auch nur valorisieren zu lassen.
Über ein Repräsentationskonto kann der Bürgermeister weitestgehend frei verfügen. Natürlich kann er damit nicht auf Urlaub fahren oder privat einkaufen gehen. Dieser Betrag ist dafür da, um z.B. Essenseinladungen zu begleichen, „Runden zu schmeißen“, bei Veranstaltungen oder Events im Namen der Gemeinde zu spenden u.s.w. Um dies unbürokratisch tun zu können, gibt es über Empfehlung der Aufsichtsbehörde (Land NÖ) einen Gemeinderatsbeschluss aus dem Jahre 2006 !!!), der dem Bürgermeister ausdrücklich gestattet, dies auch in bar zu tun. Natürlich müssen die Ausgaben plausibel und nachvollziehbar sein. Ich tue dies in Form von regelmäßigen Spesenabrechnungen – wie beispielsweise oben für den Zeitraum Februar bis April 2019. Ich verwende aus Prinzip mein Repräsentationskonto weniger, um mit jemand Essen zu gehen (unsere Restaurantbetriebe mögen mir verzeihen), sondern verwende es lieber um bei Veranstaltungen sinnvoll zu spenden und im Namen der Gemeinde zu unterstützen.
Frau Vizebürgermeister Dr. Kleissner vermutet nun eine kriminelle Handlung und hat dies dem Gemeinderat bei der montäglichen öffentlichen Sitzung auch theatralisch mitgeteilt. Nachdem es bereits Social-Media-Beiträge darüber gibt und mich auch schon Journalisten angerufen haben, sehe ich es als meine Aufgabe, Sie umgehend ausführlich und aus Erster Hand darüber zu informieren.
Vorgeschichte: Seit 4 Jahren bemüht sich Frau Dr. Kleissner das Subventionskonto an Vereine und Organisationen bei den koalitionären Budgetverhandlungen zu reduzieren. Sie sieht darin zu hohe, nicht vertretbare Ausgaben der Gemeinde. Seit 4 Jahren lehne ich ihr Ansinnen kategorisch ab. Die (zugegeben) bei uns überdurchschnittlich hohe Unterstützung der Vereine und Organisationen erachte ich als besonders wichtig für das gesellschaftliche Leben in Wiener Neudorf – und weiß mich mit meiner Meinung in einer Mehrheit des Gemeinderates – und ganz sicher auch der Bevölkerung.
Dass ich nun zusätzlich mein persönliches Repräsentations- und Spesenkonto für Spenden und finanzielle Zuwendungen an Vereine und Organisationen verwende erachtet Frau Dr. Kleissner (vor Zeugen) plötzlich wörtlich als Verschwendung von Volksvermögen, das sie nie und nimmer unterstützen und befürworten könne. Jahrelang hat sie es aber unterstützt und befürwortet.
Dem Vizebürgermeister kommt die Aufgabe zu, die Rückzahlung der vom Bürgermeister getätigten Aufwendungen zur Rückzahlung anzuordnen. Das ist wie eine Rechnung, die gelegt wird und bezahlt werden muss. Seit Jahrzehnten wird dies in Wiener Neudorf so gehandhabt, dass dem Bürgermeister die Ausgaben im Rahmen seines Repräsentationsbudgets selbstverständlich ersetzt werden und der Vizebürgermeister dies nachträglich abzeichnet. Diese jahrzehntelang praktizierte Vorgehensweise, die auch von Frau Dr. Kleissner in den ersten Jahren so weitergeführt wurde, führt jetzt zu massiven internen Anschuldigungen gegen die Gemeindeverwaltung, die ich entschieden zurückweise.
Plötzlich meint die Vizebürgermeisterin, Barspenden des Bürgermeisters – obwohl es dafür einen Gemeinderatsbeschluss gibt – nicht mehr gut zu heißen – und verweigert im nachhinein die Anordnung und unterstellt zusätzlich „Unterjubelung“.
Die Zusammenarbeit mit Frau Dr. Kleissner war am Beginn der Koalition eine sehr sehr gute. Sie wurde mit der Zeit auch zu einer enorm engagierten Umweltgemeinderätin, die Vieles und Richtiges in Wiener Neudorf bewegt hat. Leider gestaltet sich die Zusammenarbeit seit Jahresbeginn als sehr schwierig. Einzelheiten dazu erspare ich Ihnen und es tut auch nichts zur Sache.
Besonders irritierend gestaltet sich die Zusammenarbeit seit dem Zeitpunkt im Frühjahr 2019, zu dem Frau Dr. Kleissner, ihr Mann und ihr Schwiegersohn beschlossen haben, nicht mehr zu kandidieren und den Gemeinderat im Jänner 2020 zu verlassen. Ganz offenbar ist es seit damals ein Ziel, mich in Verruf zu bringen und mein Ansehen in der Bevölkerung zu beschädigen. Warum auch immer.
Dass jetzt ein Skandal ausgerufen wird, der keiner ist – und in den auch noch die Gemeindeverwaltung hineingezogen wird – ist allerdings eine Spur zu viel. Das geht entschieden zu weit. Obwohl: Als Frau Dr. Kleissner die letzte Redaktionssitzung vorzeitig erbost verlassen hat, als GfGR Stania und ich gegen den Willen von Frau Dr. Kleissner beschlossen haben, das Generalverkehrskonzept auf die Titelseite der kommenden November-Ausgabe des Gemeindeblattes zu bringen und nicht die 4e-Auszeichnung, da habe ich mir schon gedacht, dass jetzt irgendetwas kommen wird.
Sie kennen meine ruhige, besonnene und hoffentlich konstruktive Art, die ich auch in dieser schwierigen Situation beibehalten werde. Denn meine Aufgabe sehe ich darin, den erfolgreichen Weg in und für Wiener Neudorf bis zur Gemeinderatswahl (und hoffentlich darüber hinaus) weiterzuführen. Ob das UFO diesen Weg auch weitergeht oder ihn verlässt, kann ich zur Stunde nicht sagen. Ich weiß jedoch aus Gesprächen mit UFO-Mitarbeitern, dass sie mit dem Vorgehen von Frau Dr. Kleissner absolut nicht konform gehen.
Ich kann noch nicht greifen, ob diese Vorgehensweise von Frau Dr. Kleissner dazu dienen soll, die Zusammenarbeit in der Koalition überraschend zu beenden. Das werden die nächsten Tage und Wochen und das wird die Gemeinderatssitzung im Dezember, bei der es auch um das Budget 2020 gehen wird, zeigen. Natürlich wird auch die Opposition die nunmehrige Situation auskosten – das würde allerdings jede Opposition tun.
Wiener Neudorf ist politisch seit Jahrzehnten umkämpft. Dass der Wahlkampf kein Honiglecken für mich werden wird, das ist mir schon klar und das halte ich schon aus und darauf bin ich auch vorbereitet. Dass es „Wadlbeissereien“, Untergriffe und Unterstellungen geben wird, damit rechne ich. Aber dass das alles schon jetzt, drei Monate vor dem Wahltag beginnt, kommt für mich allerdings überraschend früh.




