Wiener Neudorfer Gemeindeblatt: Darf man das? Soll man das?

Die Schadstoffe einer derart frequentierten Autobahn wie die A2 bei Wiener Neudorf (täglich zwischen 180.000 und 200.000 Fahrzeuge) verbreiten sich bis zu 12 Kilometer entlang von derartigen Straßen. Dabei kommt es natürlich sehr auf die Windrichtung an. Aber egal, wie die Windverhältnisse sind, Wiener Neudorf liegt inmitten dieser Schadstoffwolke.

Wir haben dieses Thema zur aktuellen Titelgeschichte des September-Amtsblattes gemacht. Lange haben wir überlegt: Dürfen wir das? Sollen wir das? Ein Gemeindeblatt sollte natürlich immer eher über positive Dinge berichten und sollte weder einen Ort madig machen, noch irgendwie aufreißerisch wirken. Ein Gemeindeblatt sollte doch gute Stimmung verbreiten und eine Gemeinde in einem guten Licht darstellen.

Nach langer Überlegung haben wir uns entschlossen, dass wir das dürfen und sollen und mehr noch: Müssen. Vom Lärm der Autobahn sind – nachgewiesen und bestätigt – in Wiener Neudorf ca. 700 Häuser mit mehr als 2.000 Menschen betroffen, von den Schadstoffen alle 4.300 Haushalte mit allen 9.500 Einwohnern.

Wir müssen erklären, warum wir so vehement für den 80er kämpfen (müssen). Wir müssen erklären, warum wir am 16. September wieder eine Demonstration auf der A2 angemeldet haben. Wir müssen (vor allem den Nicht-Neudorfern) erklären, warum wir diesen Kampf gegen das Verkehrsministerium und die ASFINAG führen – und vor allem gewinnen – müssen. Da geht es aber nicht um ein Kräftemessen oder um eine politische Unstimmigkeit, da geht es schlicht und einfach um die Gesundheit eines gesamten Ortes.

Natürlich trägt auch die B17 für diesen Zustand ihren Teil bei. Deshalb verhandle ich ja derzeit so intensiv (schaut im übrigen sehr gut aus) mit dem Land wegen einer Unterführung. Nur auf der B17 fährt in Bruchteil des Autobahnverkehrs, deshalb sind die Auswirkungen nicht so dramatisch.

Wir wissen, dass Tempo 80 mit einem Schlag die allermeisten Schadstoffe (Kohlendioxid, Kohlenwasserstoffe, Stichoxide und Schwefeldioxid) und den Feinstaub um etwa 30 % reduzieren würde, Kohlenmonoxid sogar um 80 (!!!) %. Der Lärm würde etwa halbiert werden.

Wir halten es für unsere Verpflichtung als Gemeindepolitiker und in der Gemeindeverwaltung die Bevölkerung umfassend aufzuklären, mit nichts hinter dem Berg zu halten und dementsprechend zu informieren und Maßnahmen zu setzen. Und wenn man uns zwingt Kampfmaßnahmen zu setzen, dann werden wir da tun.

Menschlich bin ich sehr enttäuscht und wütend, dass man seitens eines Ministeriums oder einer Behörde derart mit der Gesundheit von Tausenden Menschen spielt. Und ich schreibe hier nur aus Wiener Neudorfer Sicht. Die Auswirkungen der Autobahn betreffen auch umliegende Orte. Aber darüber habe ich keine Kompetenz zu sprechen.

Einen umfassenden Artikel lesen Sie im neuen Gemeindeblatt auf den Seiten 3, 4 und 5. Sie können das neue Gemeindeblatt auch bereits auf der Gemeindehomepage lesen: http://www.wiener-neudorf.gv.at  Rubrik Rathaus/Gemeindezeitung.

5 Gedanken zu „Wiener Neudorfer Gemeindeblatt: Darf man das? Soll man das?

  1. Nake Ing. Franz Ludwig

    Das Thema A 2 ist seit 1979, als wir nach Wiener Neudorf zogen präsent. Wenn unser Verkehrsminister Tempo 140 km/h auf ein Jahr testen lässt, dann ist es legitim die 80 km/h ebenfalls zu überprüfen. Was wurde alles diesbezüglich vor der letzten NR – Wahl versprochen, denke es gibt schriftliche Aufzeichnungen.

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    1. Herbert Janschka

      Tja, die schriftlichen Aufzeichnungen gibt es. Aber die Verfasser dieser Schreiben reden sich alle auf die Autonomie des Verkehrsministers aus, dem man nichts vorschreiben oder auftragen kann. Und was FPÖ-Minister Hofer wirklich will, wissen wir ja leider. Und dass unter seiner Amtsführung eher Tempo 140 und mehr getestet wird und nicht umgekehrt, ist leider auch evident. Die einzige Chance, die wir haben, ist Druck aufzubauen und immer wieder – auch mit Aktivitäten – auf unser Problem hinzuweisen. Und das werden wir tun.

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  2. Wolfgang Kosar

    Hat niemand der nach Wr. Neudorf zog oder hier geblieben ist, gewusst wo er hinzieht/bleibt? Die Autobahn gibt es nicht erst seit vorgestern. W

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    1. Herbert Janschka

      Die allermeisten Wohngebiete gibt es länger als die Autobahn. Und noch vor 15, 20 Jahren war die Autobahn mit weit weniger als die Hälfte des Verkehrs kein so großes Problem wie heute. Tatsache ist, dass sich die Situation in den letzten Jahren gravierend verschlimmert hat und dass deshalb etwas getan werden muss. Ich denke, dass wir da übereinstimmen, dass Gesundheit vor allem anderen zu stehen hat.

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