EUMIG-Abend in Wien

Ganz im Zeichen des früheren Wiener Neudorfer Weltunternehmens EUMIG stand ein Abend im restlos gefüllten Saal des Wiener Wirtschaftsmuseums. Als Bürgermeister bekam ich eine Einladung über die Bedeutung des Unternehmens für Wiener Neudorf zu erzählen. Gemeinsam mit mir sprachen Ing. Otto Pferschy, ehemaliger Direktor der Firma EUMIG und Wolfgang Pferscher, Geschäftsführer einer „quasi-Nachfolgefirma“ In-Vision. Einbegleitet wurde der Abend vom Obmann des Eumig-Museumsvereins, HR Prof.Ing.Mag. Gerhard Pahr. Zwar liegt die Schließung des früheren Weltmarktführers schon über 35 Jahre zurück, aber die Faszination über den rasanten Aufstieg und noch rasanteren Fall weckt offenbar noch immer großes Interesse.

1919 wurde die „Elektrizitäts- Und MetallwarenIndustrieGesellschaft“ in Wien Meidling gegründet, die anfangs Zigarettendosen und Taschenfeuerzeuge (aus Patronenhülsen), aber schon sehr bald verschiedene Elektroartikel erzeugten, darunter ab 1924 Radio- und ab 1931 Filmgeräte.

EUMIG mauserte sich in den 60er und 70er Jahren zum der Welt größten Hersteller von Tonprojektoren. Zum Programm zählten neben Filmkameras auch Projektoren, HiFi-Geräte, Videokameras und Lasergeräte. EUMIG exportierte rund 92 Prozent seiner Erzeugnisse in mehr als 130 Länder.

Vom Himmel aus sollte der Schriftzug „EUMIG“ sichtbar sein. Das Hochhaus war als das „I“ gedacht. 1982 wurde das Gebäude von der Fa. Palmers übernommen und nach einem Brand verglast.

1958 erfolgte die Übersiedelung des Werkes von Wien nach Wiener Neudorf. Das 10-stöckige Hochhaus, in das später die Fa. Palmers zog, ist eines der Wahrzeichen von Wiener Neudorf geworden. Auch sozialpolitisch war die EUMIG Vorreiter, so wurde bereits 1956 – gegen den großen Widerstand der Industriellenvereinigung – die 40-Stunde-Woche bei vollem Lohnausgleich eingeführt. Der Mitarbeiterhöchststand betrug 7.000, wobei über 3.000 Mitarbeiter/-innen in Wiener Neudorf beschäftigt waren. Viele frühere Wiener sind durch die Werksübersiedelung in Wiener Neudorf ansässig geworden und andererseits haben viele Wiener Neudorf in dem Unternehmen einen Job gefunden.

Durch einige Managementfehler, aber auch durch Druck und verfehlte Einmischung sowie überbordende Wünsche der Bundespolitik, musste 1981 der Konkursantrag gestellt werden. Das Verfahren wurde 1985 abgeschlossen und der Name EUMIG am 13.2.1986 aus dem Handelsregister gelöscht.

Im Gebäude der Alten Feuerwehr, Parkstraße 6, wurde mittlerweile das EUMIG-Museum untergebracht und im letzten Jahr deutlich erweitert. Mit dem EUMIG-Museum wird Wiener Neudorf auch Teil der NÖ. Landesausstellung 2019 sein.

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